Miss Sixty
Auftragskolumne für ein Radiomagazin, 2005, ah
Der Frühling ist da und ich hab’s mal wieder voll verpeilt. Jetzt noch hektisch ins Fitnesstudio, Armkreisen, Pobackenklemmen, situps, standups, hikups?!
Ach was! Zu spät, zu spät, zu spät!
Morgen ist quasi Sommer und ich pass‘ wieder nicht in die Miss-Sixty-Jeans. Das schmerzt!
Denn klar ist:
Nicht Miss Sixty tauglich = nicht bikinikompatibel.
Dabei hab ich gedacht, wer in den 60gern geboren ist, muss da auch irgendwie reinpassen. Andere schaffen das doch auch! Gut. O.k. Die kommen vielleicht nie wieder raus. Wer drinsteckt steckt fest, denn die Pommes-Cola-Würstchen halten den Hosenbund festumschlossen und abends benötigt man eine Auszieh-Gegenstemm-Hilfe wie früher die Cowboys für ihre Stiefel.
Aber ich kam nicht mal rein!
Beim ersten Versuch blieb die Hose bereits auf Oberschenkelhöhe hoffnungslos stecken. Beim zweiten sprengte ich den Hosenknopf. Der Verkäufer schnaufte genervt. Ich zeigte daraufhin auf das 1966 in meinem Ausweis und er mir den Vogel.
Als ich raus war aus dem Laden fielen mir die Hühner von Gaymann ein: „Mach‘ ich jetzt ’ne Therapie oder trink‘ ich noch ’ne Tasse Kaffee“. Zwei hübsche Alternativen, nur meine Krankenkasse zahlt keine Therapie und Kaffee ist eine absolute Fettbremse.
Mein Tag war im Eimer.
Am Abend hab ich mich mit ’ner Flasche Rotwein auf’s Sofa gekuschelt. Im Radio lief ein Hörspiel „Väter und Söhne“.
Na, die haben vielleicht Probleme.
