Geburtstagslied für Wenzel
erdichtet und überreicht zum 50. Geburtstag des Poeten Hans-Eckardt Wenzel, 31.07.2005, ah
Ich traf ihn neulich an ’ner Bar
wir haben Wein geteilt
und zwischendurch den Zug an einer Zigarette.
Wir lachten viel und spürten nicht
wie so die Zeit hineilt
und um uns rum ging alles schon zu Bette.
„Du hast Geburtstag“, sprach ich,
„sag‘, was wünschst Du Dir?“
und hatte für ihn manche Antwort schon parat.
Denn ich dacht‘ an all die Dinge
die man kauft so aus Plaisir,
doch seine Antwort war ’ne andre und ich platt:
Denn er – er wünscht sich einfach Frieden
so wie ein andrer sich ’ne Hose oder Geld
doch weder Westen, Osten, Norden noch der Süden
hat das zu bieten, denn das gibt’s nicht auf der Welt.
Gleich andern Tags dann zog ich los und sah mich um.
Vielleicht, so dacht‘ ich
ist ein Friede wo zu kriegen.
In der Zeitung stand: „Ein Mann bringt die Familie um “
und zu lesen war wie viel im Sterben liegen.
Ich hörte Kinder weinen, Frauen klagen,
hörte den Schiessverein – im Walde irgendwo
und wurd‘ so traurig, kann es gar nicht richtig sagen
zuletzt erbrach ich mich auf einem Bahnhofsklo.
Und er – er wünscht sich einfach Frieden
so wie ein andrer sich ’ne Hose oder Geld
doch weder Westen, Osten, Norden noch der Süden
hat das zu bieten, denn das gibt’s nicht auf der Welt.
Eine Horde Durchgedrehter
macht Jagd auf ein kleines Tier
und schneidet ihm ganz en passant die Zitzen weg.
Ein Penner wird zu todgetrampelt wegen einer Dose Bier
am Bürgersteig zeugt davon noch ein roter Fleck.
Es wär‘ so einfach, könnte ich ihm etwas kaufen
und ihm dann schenken bunt verpackt in Glanzpapier.
So viele Tränen sind seit jener Nacht gelaufen
als ich ihn fragte: „Sag, was wünschst Du Dir?“
Denn er – er wünscht sich einfach Frieden
so wie ein andrer sich ’ne Hose oder Geld
doch weder Westen, Osten, Norden noch der Süden
hat das zu bieten, denn das gibt’s nicht auf der Welt.
Ich dachte schon, der Friede sei verloren
so wie halt Dinge sich verlier’n in einem Leben
doch mit jedem Kind das neugeboren
wächst wieder Hoffnung und der Mut nicht aufzugeben.
Und ich gab ihm ’ne kleine Schachtel mit DEM Frieden,
den ich trotz allem finden konnte auf der Welt.
Wer weiss, vielleicht ist es uns noch beschieden,
dass unsre Welt sich eines Tags an Frieden hält.
