anette herbst, ah-effekte

Willkommen auf ah-effekte, der persönlichen Homepage von Anette Herbst und der Schnürliprinzessin!

Herbst

erdichtet im Oktober 2005, ah

Es ist Oktober und es fällt der Regen
seit Stunden, Tagen schon auf meine kleine Stadt
An Perlenschnür’n, in Bächen – meinetwegen
(nur in Wolken schweben hatte er wohl satt).

Es macht mir nichts, ich sitze in der Matte
die hängend, schaukelnd mich gleichgültig macht.
Am Fernsehkabel nagt gelangweilt eine Ratte
weil das Programm nur Katzenjammer ihr gebracht.
Ich reich ihr Käse zum Dessert während ich grübel
wie weich die Welt nun werden wird von all dem Nass
darüber ob der Regen wegschwemmt alles Übel,
jedwede Ignoranz, den Geiz und auch den Hass.

Nun leckt die Ratte sich zufrieden ihre Pfoten
und nagt gleich drauf das Feuilleton der Zeitung an.
Das macht sie öfter, denn ich hab’s ihr nie verboten
weil ich’s stets les und es ihr nicht verübeln kann.

Die Regentropfen winken trommelnd an der Scheibe
ich giess mein Glas noch einmal voll bis an den Rand.
Die Ratte hat sich eingekuschelt in der Beuge
meines Arms, es schläft mir ein die Hand.
Mit meiner andern kratz ich mir nachdenkend
den Kopf, das Kinn und schliesslich auch die Stirn,
dann fass ich nach dem Glas und schütte schwenkend
mir all die Flüssigkeit direkt in das Gehirn.

Jetzt endlich seh‘ ich klar, jetzt wird mir heiter,
während der Regen Pfützen macht und Bächlein baut.
Jetzt endlich weiss ich auch, es ist gescheiter,
wenn man keinem ausser einer Ratte traut.
Sie klagt nicht, unterdrückt nicht, ist bescheiden
und dankbarer als je ein Mensch vermag,
es stört sie nicht, kann einer sie nicht leiden,
sie lebt im Hier und Jetzt und das an jedem Tag.

Ich kraul die meine zwischen ihren Ohren
während der Herbstwind Laub an meine Fenster klebt
und hab mir just in dem Moment ganz leis geschworen
„Ab morgen Schluß mit Grübeln! – ab morgen wird gelebt!“


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