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Willkommen auf ah-effekte, der persönlichen Homepage von Anette Herbst und der Schnürliprinzessin!

Pisswetter

als bewege sich das Leben stets
zwischen Lachen und Weinen
– ganz im Sinne Rückerts und Schuberts.
Verfasst im Dauerregen Basels, März 2009, ah.

Donnerstagmorgen. Völlig entnervt ruf ich auf der Wetterstation an. „Wetterstation“, sagt eine Stimme mit langem „o“ und einem Fragezeichen. „Hallo“, sage ich mit drei „o“ und exakt so vielen Ausrufezeichen. „Geht’s noch!“ hänge ich hintendran und setz zur Sicherheit noch ein Fragezeichen in Klammer. „Sie sind der -“ – „x-te Anrufer“, unterbreche ich ihn und fahre fort: „Recht so! Denn viele haben die Faxen dicke. Es reicht, verstehen Sie!“ Ich bin richtig aufgebracht und irgendwie gefällt mir das, denn endlich kann ich meinen Unmut da platzieren, wo er hingehört. „Tun Sie was!“ rufe ich in die Muschel, „es ist März!“ – „Ich verstehe Ihre Reaktion sehr gut“, beschwichtigt mich der Wetterfrosch. Pädagogisch wertvolle Antwort, denke ich und geb innerlich keinen Rappen für seine perfekte Ausbildung in Sachen ‚genervter Anrufer’. „Was ist denn nur los!?“ frage ich harsch, „ich verlange eine Erklärung!“ Im Grunde verlange ich sofortige Änderung der Lage, möchte dem Frosch aber eine Chance einräumen. Seit Tagen das Geplärre vom Himmel, nichtendenwollende Kälte – das geht unter die Haut und macht marode. „Der Himmel hat Depressionen“, hör ich und der Wetterheini sagt das, als habe er grosses Mitgefühl. Die Atmosphäre habe die Beziehung zum Himmel beendet und wolle fortan ihre Ozonlöcher alleine grossziehen. Die ewige Qualmerei habe sie satt und überhaupt.

Darauf hätten sich die Wolken des Himmels gefüllt – mit Trauer, Trotz und Tränen. ‚Starke Himmel weinen nicht’, das habe er sich immer wieder gesagt, aber es platze aus ihm heraus. Lichtjahre habe die Beziehung gehalten und mit einem Schlag sei sie nun durch die Launen der Atmosphäre beendet. Das seien keine himmelblauen Aussichten. Und seine enge Freundin, die Sonne? Die sei vor der Fasnacht in die Ferien. Burnout. „Fantastisch“, zische ich „und wegen all der Befindlichkeitsstörungen dürfen wir nun Regenschirme verschleissen und Wollsocken tragen!“ – „Der Himmel wird darüber hinwegkommen und -“ – „Jajaaa! Und bis dahin werden meine Schneeglöckchen den Trauerchoral bimmeln! Und all das wegen dieser Pissnelke!“ brüllte ich noch und hab einfach aufgelegt, den Hörer regelrecht hingeknallt und mich mit meinen Wollsocken unter die Bettdecke verkrochen. Und hier werde ich bleiben, bis der Himmel wieder was zu lachen hat!


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