Ferienträume
erträumt in einer angenehm warmen Nacht im Juni 2009, ah.
Erschienen im baz-Kulturmagazin am 07. Juli 09
Mir träumte, meine Gedanken hätten ihre Koffer gepackt und seien auf und davon in die Ferien. Als ich am Morgen aufstand fand ich auf dem Küchentisch einen Zettel:
„Liebe Anette, sind für ein paar Tage frischen Wind geniessen. Herzlichst – deine Gedanken!“ Stellte fest, sie hatten auch die Sorgen und den Alltagsdruck mitgenommen. Mit innerer Leere trank ich meinen Kaffee. „Nicht mehr denken!“, sagte mein Mund. „Keine Sorgen!“, lachte mein Herz und: „Druckfrei!“, atmeten meine Lungen. Mein Gewissen seufzte erleichtert. „Diese Bande!“, schmunzelte die Seele, „geht einfach in die Ferien.“
Und ich sah sie vor mir:
Die Gedanken gedankenverloren auf der Luftmatratze treibend auf irgendeinem der Meere, welches genaugenommen eines ist und sich nur verschieden nennt. Die Sorgen sorglos in zwischen Bäumen gespannten Hängematten schaukelnd, in denen sie sich endlich einmal angenehm beschattet fühlen konnten. Den Druck tauchend zwischen Korallen und in einer Meerestiefe, die schon wieder schwerelos macht.
„Herzensdinge?“ frug mein Herz und hüpfte aufgeregt. „Ja“, meinte mein Mund, „Zeit für Herzensdinge.“ Und die Seele platzte gleich mit mindestens …, wenn nicht noch mehr Dingen heraus, die ihr auf ihr selber brannten. Der Alltag schmeckte süsslich so ohne Druck, und sang ein „Herrlich“, dass es wie „Hallelujah!“ klang. Da pochte und pulsierte also das nackte Leben in allen Poren und Facetten. Vor Freude und Aufregung bin ich erwacht. Vielleicht auch durch den Presslufthammer, der seit sieben Uhr morgens schwitzend seinen Lärmdienst tat. Doch trotz gepresster Hämmerei schlief ich ganz kurz noch einmal ein und träumte, dass der Bau auf der Stelle die Wagen packte und ein Ferienschild auf die Strasse warf. Die Bauarbeiter waren frei, und im Hinterhof plätscherte vergnügt der kleine Brunnen.
Ferien sind eben doch die schönste Jahreszeit.
