Imperfekt
mehr muss nicht, März 2009, ah.
Kennen Sie auch so viele aufgeräumte Menschen? Solche, die Tag für Tag gesund aussehen, adrett daherkommen und ihr Leben einfach im Griff zu haben scheinen? Sie! wenn mir so einer begegnet geh ich jedes Mal innerlich in die Knie. Ich bring das nicht! Mein Leben durchläuft Phasen. Hätte vielleicht ein aufgeräumter Elektriker werden können. Oder ein Jahrmarktbudenheinz, denn mit Berg- und Talfahrten kenn ich mich aus. Das Lineare dagegen scheint mein Lebenslauf zu meiden, als ginge da der Teufel auf dem Strich. Ganz komisch. So Phasen beispielsweise: Monatelang keinen Kaffee, um mal auszuprobieren wo da nun der Kick steckt und anschliessend Espresso intravenös. Phasenweise morgens um 6 im Park, Rundendrehen, Tai Chi und dann doch wieder Parties und Unvernunft im Quadrat. Ewig zwischen Yin und Yang. Selten ruhende Mitte. Plötzliche Musikphasen, wochenlang, viele Stunden am Tag. Aber auch da: Unvermittelt nur Akkordeon, dann wieder nur Klavier. Anfallsmässig lesen, lesen, lesen, dann wieder schreiben und mit einem Mal Fenstersitzer! Rausglotzen. Nichtstun. Sie! Die Strukturierten machen mir teilweise Angst. Wie geht das, täglich nach Plan!? Was die SBB nicht fertigbringt, der Nachbar kann’s?! Aufgeräumtheit schon im Äusseren, durchorganisiert im Alltag – Chapeau!
Ich bring’s ja fertig, gebügelt und frisch aus dem Haus zu gehen, um kaum auf der Strasse auszusehen, als hätte es für mehr halt nicht gereicht. Fragen Sie mich nicht! Die Flecken auf der Klamotte wurden offenbar dahin gezaubert! Und ich schwöre es Ihnen, meine Fingernägel waren eben noch astrein!
Naja gut. Ich bin imperfekt, also eine in die Gegenwart hineinreichende Vergangenheit. Aber auch das muss man ja erst einmal draufhaben!
