Novemberahnung – Ein Herbstlied
erdichtet im Oktober 2006, ah
Bin aus Phrasen ein Gebilde
der Kopf zum Trotz erschreckend leer
führ schon längst nichts mehr im Schilde
jedwede Richtung scheint so schwer.
Indes der Herbst hier Blatt für Blatt
durchaus noch eine Meinung hat
Er trägt sie bunt durch alle Wälder
er kerbt sie morsch in jeden Ast
Ich schleich derweil scheu über Felder
die Fahne unsichtbar und weiss an meinem Mast.
Warum mein Herz denn nur so eilig
was treibt so unruhig dich dahin?
Was ist dir plötzlich so abscheulich?
Was raubt auf einmal dir den Sinn?
Ist’s einfach ebendiese Zeit?
Macht dichterschwer sich etwas breit?
Lässt zwingen du dich in die Knie?
Du, die du sonst stets Trümpfe ziehst?
Schiebst du der Herbstmelancholie
in beide Schuhe, dass du selber vor dir fliehst?
Auch das nur Phrasen, leere Fragen
und keine Antwort je darauf.
Dass alles kahl wird hilft beim Klagen
Ich stecke fest in meinem eignen Lebenslauf.
Doch werd ich ganz gewiss schon morgen
irgendwo neuen Mut mir borgen
und einmal mehr die alte Fahne
auf beiden Seiten bunt besprühn
wenngleich ich auch den Winter ahne
ist’s heut nicht Zeit, so einfach zu verglühn.
Bin ein Optimist im Grunde
bis alles endgültig gefriert
möcht ich, und sei’s für eine Stunde
dass mich das Leben satt und prall noch mal berührt.
