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Von Sonnen, die gern untergehen

aus der fiktiven Rubrik „erlebte Geschichten“
Februar 2010, ah.

Etwas wechseln zu dürfen, tut ab und an richtig gut.
Ein Perspektivenwechsel beispielsweise. Er kann schlagartig eine ganze Situation oder Empfindung in neue Farben tauchen. Manchmal tut ein Wechsel auch regelrecht not. Ein Unterhosenwechsel zum Beispiel. Passiver sind Jahreswechsel. Da wird einfach gewechselt, und wir müssen durch. Wechselgeld ist nützlich, ein Partnerwechsel zuweilen erfrischend. Es ist durchaus möglich die politische Seite zu wechseln oder den Kopf der Zahnbürste. Bei einem Wechsel jedoch ist Vorsicht geboten: Dem Wechsel des Telekommunikationsanbieters. Denn da wollen uns auf Gewinn getrimmte Verkaufsmaschinen weismachen, die Schritte zum Anbieterwechsel seien einfach, problemlos und obendrein geldsparend.

Meine Bekannte hat das geglaubt. Warum auch nicht, es hätte ja wahr sein können. Wer möchte schon frühzeitig einen Sonnenuntergang vorhersagen, wenn grade Strahlewetter herrscht. Es würden nur die Gerätschaften gewechselt, dann bräuchte man lediglich einstecken – und hurra! Was von da an jedoch tatsächlich seinen unheilvollen Lauf nahm, gleicht einem Comicstrip. Stecker und Gerät konnten nicht miteinander, alle Telefone des Hauses klingelten gleichzeitig, der Anrufbeantworter hatte seinen Dienst quittiert, das Internet war für Tage zur fernen Insel geworden, und bald darauf schien ein „Rien ne va plus“ über allem zu blinken. Meine Bekannte kochte. Der Elektriker erschien. Stundenlanges Basteln. Mehrfache Rücksprachen mit der Hotline des Problemlos-einfach-günstig-Anbieters. Jedes Mal auf’s Neu das „Drücken Sie die 1“ (…die 3, die Raute- bis zur Leck-mich-doch-am-Buckel-Taste) und jedesmal ein anderer an der heissen Linie. Ergo: Jedes Mal mit der ganzen leidigen Geschichte von vorn beginnen. Meine Bekannte schäumte. Drohte alles wieder rückgängig zu machen. Da schoss ein Hotlineheld förmlich den Vogel ab. Es sei eben heutzutage nichts mehr sicher, meinte der. Denken Sie nur an Haiti, fuhr er ungerührt fort, oder wenn ein Zug Verspätung hat. Manchmal könne man eben nichts machen.

Würde die Sonne ihren täglichen Aufgang ebenso unprofessionell gestalten, könnten Sie das elektrische Licht gleich angeknipst lassen – vorausgesetzt Sie beziehen Ihren Strom nicht von irgendeinem privaten Billiganbieter. In letzterem Fall bliebe es nämlich dann zappenduster.


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